Abitur am ESZM: Durch Bildung KI entwaffnen - oder war es am Ende womöglich umgekehrt?

Die Abschlussfeier der diesjährigen Abiturienten des Evangelischen Schulzentrums fand bei bestem Wetter im wunderschönen Ambiente des Michelbacher Schlosshofs statt. Die Anspannung der erst am Vortag beendeten mündlichen Prüfungen war von allen abgefallen, die Stimmung entsprechend heiter und gelöst. Einige Gäste kamen von weit her, sogar aus China waren manche Eltern extra zur Vergabe der Abschlusszeugnisse angereist, um diesen besonderen Moment gemeinsam mit ihren Kindern zu erleben.

In seiner Rede an die Absolventen setzte sich Schulleiter Ralph Gruber mit den Gedanken von Papst Leo XIV. zur Bildung in der Enzyklika „Magnifica humanitas“ auseinander, in welcher er der Bildung im Kontext der globalen digitalen Herausforderungen einen zentralen Stellenwert für die „Wahrheit als Gemeingut“ einräumt. Mit den Worten des Papstes prangerte Gruber eine naive Digitalisierung an, die sich allein dadurch zeige, möglichst viel Technik in die Klassenzimmer zu bringen, dabei aber ihren Grundauftrag der Bildung vergesse. Die Schule müsse der Ort sein, an dem die neuen Generationen lernen können, die Wahrheit zu suchen und zu lieben, sich mit dem Sinn des Lebens und mit der Würde eines jeden Menschen auseinanderzusetzen. Gut 300 Jahre nach Immanuel Kant müsse der Grundsatz „Sapere aude!“ wieder das Zentrum von erziehendem Unterricht und Didaktik werden. Der Mensch müsse nicht nur das Denken lernen, sondern auch den Mut haben, immer und immer wieder selbst zu denken. Andernfalls verfalle er in eine selbstverschuldete Unmündigkeit, wie sie gerade in Zeiten von Chatbots um sich greife, weil jede Antwort schon da sei, bevor die Frage gestellt wurde. Die Antworten auf die zentralen Bildungsfragen, was wir wissen können, was wir tun sollen, was wir hoffen dürfen und wer wir als Menschen sind, könne nicht die KI beantworten, sondern ließe sich nur in der Interaktion zwischen Menschen finden.

Für ihr künftiges Leben wünschte der Schulleiter den Absolventen Menschen an die Seite, an denen sie in tiefer, wirklicher Begegnung Identität entwickeln könnten und Menschen blieben, denen Einfühlungsvermögen, Solidarität und Gerechtigkeitsdenken elementar wichtig seien.

Scheffelpreisträgerin Eva Eggert bedankte sich in ihrer Rede im Namen aller Absolventen für die vielfältige Unterstützung durch die Lehrkräfte und Internatsbetreuer und die ganz besondere Zeit am Evangelischen Schulzentrum.

Die Michelbacher Abiturienten erreichten einen Gesamtschnitt von 2,1. Den besten Notenschnitt erzielte Eva Eggert mit 1,1. Insgesamt konnten von den Absolventen 14 Preise und 8 Anerkennungen entgegengenommen werden. Darüber hinaus wurde Rosina Waldenmaier mit dem Paul-Schempp-Preis der Evangelischen Landeskirche für das Fach Evangelische Religionslehre ausgezeichnet Sie erhielt außerdem den Geschichte-mit-Gemeinschaftskunde-Preis der Landeszentrale für politische Bildung. Eva Eggert empfing den Scheffel-Preis für das Fach Deutsch. Den DPG-Abiturpreis der Deutschen physikalischen Gesellschaft erhielt Haoyang Wu, der zweite Preis ging an Ruochen Ruo. Für seine herausragenden Leistungen in Mathematik und Physik wurde Haoyang Wu darüber hinaus mit dem Ferry-Porsche-Preis ausgezeichnet. Mit dem Geschichtspreis des Historischen Vereins für Württembergisch Franken wurde Antonia Kronmüller geehrt. Die Preise der Fachschaften des ESZM gingen an Finn Staege (Sport, Biologie), Lina Dörschner (Sport), Eva Eggert (Musik, Französisch), Filippa Stähle (Musik), Rosina Waldenmaier (Gemeinschaftskunde, Französisch), Antonia Kronmüller (Geschichte), Ruochen Rao und Haoyang Wu (Mathematik), Laura Kynast (Englisch, Chemie) und Marie-Annett Vollmer (Englisch, Religion). Vorgeschlagen für die Aufnahme in die Studienstiftung des deutschen Volkes sind Eva Eggert und Marie-Annett Vollmer. Die Schule hat den vom Förderverein des ESZM gestifteten Sozialpreis an Eva Pronobis vergeben, der Sozialpreis für das Internat ging an Anna Huber.

Eine besondere Würdigung mit einem Certificate of Honour erhielten die chinesischen Gastschüler, Yichuan Deng, Ruochen Rao, Jiahe Tang, Haoyang Wu und Haotian Zhou, die es mit großem Fleiß innerhalb von drei Jahren geschafft haben, das deutsche Abitur zu bestehen. Einen Integrationspreis für das Erreichen des höchsten deutschen schulischen Bildungsabschlusses im Zeitraum von vier Jahren erhielten Yehor Postol und Mariam Emal.

Foto: Daniel Knödler

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